Mit dem Internet kam Bewegung in die Zusammenarbeit. In den letzten 20 Jahren hat sich allerdings ein Durcheinander an Begriffen ergeben. Ergänzend zu unserer Beschreibung gebräuchlicher Innovationskategorien will ich etwas Licht ins Dunkel der “Zusammenarbeit” bringen. Ich orientiere mich dazu an den Adjektiven “open”, “collaborative”, “social” und “crowd”.
”Open”
Es begann mit open source. Open verwendete man hier, um zu zeigen, dass der Quellcode einer Software jedem zugänglich ist, der an einem Projekt, mitwirkt. Diese Definition umfasst, dass Viele nach gewissen Regeln mitarbeiten. Ich würde Linux als erstes prominentes Beispiel sehen – nach Wikipedia startete 1991 die entsprechende Usenet-Themengruppe.
Open innovation ist zurückzuführen auf Henry Chesbrough, der in 2003 ein Buch mit gleichnamigen Titel veröffentlichte. Er bezeichnet damit vor allem, dass es sinnvoll ist, externe Quellen (meistens Kunden) in Innovation mit einzubeziehen, und dass das Ergebnis einer Entwicklung auch in eine ganz andere Richtung gehen kann als gedacht. In diesem Fall sind die “Baupläne” eines Produkts nicht unbedingt öffentlich.
Was also heißt open? Ich interpretiere open als außen – closed als innen. Scharf ist diese Definition aber nicht – open ist ein Modebegriff.

Open sourcing heißt, dass man Produkte oder Services von außerhalb des Unternehmens bezieht. Open architecture meint einerseits, dass Schnittstellen offengelegt sind, andererseits bezeichnet es eine Netzgemeinschaft zur Verbesserung der globalen Lebensbedingungen.
“Crowd”
Die erstmalige Verwendung des Begriffs Crowdsourcing wird dem Wired Journalisten Jeff Howe zugeschrieben, der 2006 einen entsprechenden Artikel veröffentlichte. Ich bin eher dafür, James Surowiecki als Urheber zu nennen, denn er schrieb 2004 das Buch “Wisdom of the Crowd“. Er beschreibt, dass Gruppenentscheidungen besser sind als Entscheidungen einzelner. Im Deutschen hat sich der Begriff Schwarmintelligenz herausgebildet.
Meine Definition von Crowdsourcing ist, dass man sich Vieler bedient, um ein Problem zu lösen oder ein Projekt durchzuführen. Dies muss nicht bedeuten, dass dies kostenlos geschieht. Auch müssen dies nicht immer Menschen sein, sondern auch Unternehmen oder Computer sind erlaubt.
Crowd ist leichter übertragbar als open. Crowdfunding bedeutet, dass Viele ein Projekt finanzieren. Es gibt bereits einige erfolgreiche crowdfunding Internet-Plattformen. Manchmal wird dies auch crowdinvesting genannt. Crowd computing bedeutet, dass man die Rechenkraft vieler Computer bündelt um komplexe Probleme zu lösen. Crowd creation wird verwendet, wenn Viele etwas gestalten; crowd testing, wenn Viele etwas testen …
“Social”
Ich finde es schwer, social von crowd zu unterscheiden. Social media bezeichnen digitale Medien und Technologien, die es Nutzern ermöglichen, sich untereinander auszutauschen und mediale Inhalte einzeln oder in Gemeinschaft zu gestalten (von Wikipedia). Allerdings ist social ein Adjektiv, zu dem sich kein Ein-Wort-Nomen findet, und crowd ist ein Nomen ohne Adjektiv – aber das dürfte die Wenigsten stören.
Z.B. ist Social Forecasting verwendet man für Vorhersagen durch Gruppen. Social engineering oder social hacking werden eher verwendet, wenn es darum geht Personen zu beeinflussen.
“Collaborative”
Collaborative heißt gemeinschaftlich und drückt dies viel präziser aus als crowd oder social. ist aber nicht notwendigerweise open.
Deshalb ist collaborative innovation meines Erachtens die treffendste Beschreibung der gemeinschaftlichen Innovation. Viele Arbeiten zusammen – d.h. es reicht nicht, wenn einer einen Vorschlag macht und Andere finden diesen gut. Eine gute Idee wird meist in mehreren Iterationen entwickelt – dies wird im Deutschen auch Ideensynthese genannt. Ein Collaborative Innovation Network (CoIN) ist ein Zusammenschluss Vieler zur Innovation.
Das beste Beispiel ist Wikipedia. Die Wikimedia Stiftung beschreibt sich selbst als “some of the largest collaboratively edited reference projects in the world”.