Vergessen Sie Brainstorming: Welche Methoden Gruppen kreativ werden lassen!

Brainstorming wurde vor 70 Jahren erfunden. Seit 50 Jahren ist der Nutzen von Brainstorming wiederlegt. Sparen Sie Zeit indem Sie auf Kreativmethoden setzen, die für Gruppen funktionieren: Training, Software, und bewährte Formate!

Heutige Kreativitätstechniken bauen meistens auf zwei Annahmen auf: Gruppen sind kreativer als Individuen und man hat mehr Ideen, wenn man sich anstrengt. Aber einzelne sind kreativer als Gruppen, und Ideen kann man nur schwer erzwingen. Dieser Artikel beschäftigt sich damit, was Gruppen tun können um kreativer zu werden. Der Artikel „Wie Sie gute Ideen finden“ beschreibt, was Sie selbst tun können.

Mehr zu diesen Themen finden Sie in meinem Buch „Deutschland im Innovationsstau“!

Was ist Brainstorming? Das Ende des „Kreativ-Workshop“

Seit langer Zeit ist Brainstorming die beliebteste Methode für Kreativität und Innovation im deutschsprachigen Raum. Der Begriff geht auf Alex Osborn zurück. Er gründete 1919 zusammen mit Partnern eine Werbeagentur, die später zu BBDO wurde (er steht für das „O“) und heute eine der weltweit erfolgreichsten Werbeagenturen ist. Osborn hat die wesentlichen Punkte für erfolgreiches Brainstorming zusammengetragen:

  • Erzeugen Sie so viele Ideen, wie Sie können
  • Kritisieren Sie die Ideen Anderer nicht
  • Fahren Sie freihändig und teilen Sie auch verrückte Ideen mit
  • Assoziieren Sie frei und phantasieren Sie über bereits bestehende Ideen
Brainstorming
Brainstorming

Seit 50 Jahren gibt es Belege dafür, dass diese Technik mehr schadet als nützt. Donald Taylor, Paul Berry und Clifford Block schrieben 1958 über dessen Nutzen: „Does Group Participation when using Brainstorming facilitate or inhibit Creative Thinking?“ Ihr Urteil, zusammengefasst von Jochen Paulus von Bild der Wissenschaft:

„Die Kandidaten können es in Gruppen nicht besser – weil sie sich gegenseitig blockieren. Meist müssen sie warten, bis ein anderer ausgeredet hat, und dies hemmt die Kreativität.“

Die Erklärung liefert der Psychologie-Professor Wolfgang Ströbe, ehemals von der Universität Utrecht. Er führte die Blockade auf Probleme mit dem Gedächtnis zurück: Um Stoff für neue Ideen zu haben, muss das Gehirn Informationen aus dem Langzeitgedächtnis heranschaffen, und es muss sie präsent halten. Beide Prozesse leiden unter dem Warten beim klassischen Brainstorming.

Weil solche Blockaden unsere Kreativität hemmen empfiehlt Ströbe gemeinsam mit dem Professor Michael Diehl eine drastische Lösung: Teilnehmer sollten vor der Diskussion ihre eigenen Ideen entwickeln und aufschreiben, um sie anschließend in Gruppensitzungen zu diskutieren und zu bewerten.

Auch der amerikanische Professor Paul Paulus ist anderer Meinung als Osborn und fasst sein Brainstorming-Erfolgsrezept zusammen:

  •  Auf die Arbeit fokussiert bleiben
  • Keine Geschichten erzählen
  • Ideen nicht erklären
  • Menschen am Reden halten
  • Andere zum Mitmachen ermuntern
  • Daran erinnern, nicht zu kritisieren

So gesehen gibt es zwei Brainstorming-Methoden: die ursprüngliche Methode Osborns, und die Brainstorming-Methode nach Paulus, die theoretisch funktioniert. Schon vier Regeln überfordern die meisten Menschen – wie sollen sie im Eifer der Diskussion zehn Regeln beachten?

Das schaffen nur trainierte Kreative, die sich über die Zeit einen eigenen Prozess oder eigene Kreativitätstechniken zurechtgelegt haben. Ideen-Training ist eine Lösung, um Gruppenarbeit kreativer zu gestalten.

Training

Viele Menschen glauben, dass Kreativität eine Eigenschaft ist, die uns mitgegeben wird, die wir nicht erlernen müssen. Möglicherweise stimmt dies, aber wie genau Kreativität produziert wird, ist noch unklar, auch weil es wenigen gelingt in einem Kernspintomographen Ideen zu haben. Kreativitätstests analog zu Intelligenztests sind heute nicht sinnvoll, weil wir nicht auf Kommando kreativ sein können.

Jedoch ist belegbar, dass Gruppen nach einem Kreativitätstraining mehr Ideen produzieren. Kreativität lässt sich auch trainieren, so der Sozialpsychologe Paulus. Er hat nachgewiesen, dass trainierte Teilnehmer wesentlich kreativer sind als ihre nicht trainierten Kollegen. Erfahrene Kreative können Ideen fast auf Knopfdruck sprudeln lassen. Nur wie machen sie das?

Kreativmethoden können vermittelt werden – dazu haben wir zehn von diesen in unserem Kreativitätsprozess zusammengefasst! Aber auch hier gilt, dass Übung den Meister macht. Theorie alleine hilft nicht weiter, sondern man muss praktisch erproben, was am besten hilft.

Der kreative Prozess
Der kreative Prozess

Dies gilt auch für Unternehmen. Beispielsweise versucht Google, eine gemeinsame Sprache für Kreativität zu finden. Googles Innovationschef Frederik Pferdt bringt es auf den Punkt:

Man muss sich auf die Mitarbeiter konzentrieren und Ihnen dabei helfen, Eingebungen zu entwickeln.

Google ist vorbildlich dabei, Mitarbeiter zu Kreativität zu ermuntern und Ihnen dafür Hilfsmittel an die Hand zu geben. Jeder Mitarbeiter durchläuft das gleiche Training für Kreativität in dem es nicht um eine Technik geht. Sondern um ein konkretes Problem, eine Aufgabe. Die wird sogleich gelöst und in einem Prototyp erprobt.

In den meisten Firmen regieren hingegen Abteilungen wie das Ideenmanagement oder Innovationsmanagement mit starren Prozessen. Stattdessen sollten diese dafür sorgen, dass Kollegen kreativ werden können. Heute sind sie oftmals Verwalter!

Ideenmanagement-Software

Ideensoftware und Innovationssoftware kann bei der zielgerichteten Kreativität für Unternehmen unterstützend wirken: Sie unterstützen Teilnehmer dabei eigene Ideen einzugeben und weiter zu entwickeln. Und Sie vermeiden den „Blocking“-Effekt. Teilnehmer können jederzeit ihre Ideen aufschreiben, sie können Kreativität in die richtigen Bahnen lenken, Teilnehmer motivieren und Ideen auswählen.

Die wenigsten Menschen können wegweisende Ideen vollständig alleine entwickeln – Ideen bauen häufig aufeinander auf. Soziale Interaktion, oder auf Neudeutsch Social Collaboration ist auch im Geschäft, im Business wichtig. Am besten trifft man sich dazu. Viele Unternehmen bieten heute ansprechende Möglichkeiten in lockerer Atmosphäre.

Gute Software ermöglicht es zu sehen, welche anderen Ideen existieren und wer diese hatte. So können Menschen in einen Dialog treten, auch wenn sie an unterschiedlichen Orten der Welt sind.

Studie Innovationsmanagement- und Ideenmanagement-Software
Studie zu Ideen- und Innovationsmanagement-Software

Ideen-Kampagnen sind heute das Mittel der Wahl. Man überlegt sich, zu welchem Thema man Hilfe sucht, wer am besten dazu angesprochen werden sollte und startet eine Kampagne, ähnlich einer Werbekampagne. Dies führt dazu, dass die Kreativität der Teilnehmer in sinnvolle Bahnen gelenkt werden kann.

Gruppen sind für die Bewertung von Ideen geeignet, aber am Besten ist es, Bewertungen vorab fertigzustellen – mittels geeigneter Software – und im Gespräch nur zum Feinschliff zu diskutieren.

Bewährte Kreativitätsmethoden / Kreativmethoden für Gruppen

Zusammengefasst: Buchen Sie keine Brainstorming-Workshops mehr um Ideen zu gewinnen; es sein denn die Teilnehmer sind Brainstorming Profis. Es gibt allerdings einige Möglichkeiten, ohne Training auszukommen.

Speedstorming: Der funktionierende „Kreativ-Workshop“

Speedstorming steigert die Kreativität – nicht so stark wie Training oder Software, aber dafür funktioniert es auch mit ungeübten Personen. Immer paarweise sitzen sich Teilnehmer eines Workshops gegenüber und unterhalten sich eine kurze Zeit zu einem bestimmten Thema. Nach Ablauf der wenigen Minuten werden die Stühle gewechselt und man spricht mit neuen Teilnehmern des Workshops.

Die Initiatoren sehen die Vorteile des Konzepts vor allem darin, dass sich Teilnehmer verschiedener Disziplinen effektiv austauschen. Viele und gute Ideen werden so relativ kostengünstig erzeugt.

David Bowies Social Collaboration

Lange bevor soziale Kollaboration zum Modewort wurde haben es Musiker vorgelebt. David Bowie hat es beispielsweise intensiv mit bekannten Musikern wie Mick Jagger, Freddie Mercury, Brian Eno oder Iggy Pop praktiziert. Er glaubte daran, dass Teamwork den kreativen Prozess fruchtbarer machen könnte. Aber natürlich waren seine Partner ebenfalls Kreativ-Profis, die wussten was Ihnen hilft.

Andy Warhols Werkstatt

Von Andy Warhol ist überliefert, dass er manchmal nicht so genau wusste, was er als nächstes tun sollte. Er soll die Galeristin Muriel Latow um Ideen gebeten habe, die ihm vorschlug „Geld zu malen, oder etwas, das Menschen jeden Tag sehen wie eine Dose Campbell’s Suppe.

Campbells Soup Cans MOMA
Warhols Campbells Soup Cans as shown in MOMA

Später, in der Warhol Fabrik hat der nicht nur die Produktion der Bilder, sondern gleich das Sammeln von Ideen delegiert. Seine Assistenten konnten ihn dazu alles fragen, sich in ihn hineinversetzen. Warhol praktizierte Crowdsourcing, bevor es den Namen gab.

6-3-5-Methode

Die 6-3-5-Methode ist eine Brainwriting-Kreativitätstechnik. Der Name der Methode leitet sich daraus ab, dass sechs Teilnehmer jeweils ein Blatt erhalten, auf dem sie drei Ideen notieren und die Blätter fünfmal weiterreichen. Andere können die vorhandenen Ideen ergänzen oder sich inspirieren lassen um neue dazu zu schreiben.

So wird der Blocking-Effekt vermieden, allerdings ist so die Frage noch nicht gelöst, was man aufschreiben soll. Teilnehmer müssen in einen „kreativen Zustand“ versetzt werden, bevor es losgeht.

6 Hüte Methode

Die Kreativitätstechnik der sechs Denkhüte stammt von Edward de Bono, dem Guru des lateralen Denkens. Diese Methode sieht sechs verschiedene Rollen vor, die mit farbigen Hüten markiert werden. nach Farben benannt sind: Der weiße Hut steht für neutrales, analytisches Denken. Rot bedeutet das Gegenteil: subjektives, emotionales Denken. Der Nörgler hat einen schwarzen Hut auf, wieder mit einem Gegenspieler, dem optimistischen gelben Hut. Der Teilnehmer mit grüner Mütze will Innovation und produziert eine Idee nach der anderen. Für Ordnung sorgt blau und ein Moderator.

Diese Kreativmethode hat vor allem im englischen Sprachraum viele Befürworter. Die Grundprobleme bleiben jedoch bestehen: Menschen müssen Ideen haben und zudem Rollen einnehmen, die Ihnen möglicherweise nicht liegen.

Unsere Studie zum Ideenmanagement der nächsten Genration hält moch mehr für Sie bereit:

Studie laden

5 Gedanken zu „Vergessen Sie Brainstorming: Welche Methoden Gruppen kreativ werden lassen!

  1. Während ich die ersten paar Absätze gelesen habe, dachte ich mir, Brainstorming ist sehr wohl wichtig für das vernetzte Denken und das Aufbauen auf Ideen anderer. Aber du hast voll recht, genau das erledigt eine Software. Nichtsdestotrotz denke ich, dass der Gedankenaustausch und die Ideenentwicklung face-to-face eine andere Qualität hat, als jener vor der Maschine. Ob besser oder schlechter lasse ich entscheiden …

    1. Hallo Maria,

      natürlich ist es wichtig, sich auszutauschen. Man sollte dafür nur andere Techniken als Brainstorming nutzen, oder die Ergebnisse des Gedankenaustausches mal „sacken“ lassen. Neue Ideen ergeben sich am ehesten, wenn wir einer Regeltätigkeit nachgehen.

      Es gibt übrigens Forschungen zu dem Thema, die die Ergebnisse vor einer „Maschine“ als besser bewerten.

  2. Super Artikel! Man liest oft, dass Brainstorming nicht funktioniert, aber selten erfährt man etwas über die Gründe.

    Online-Brainstorming-Tools wie z.B. http://www.ideaclouds.net lösen das Problem mit dem „Production Blocking“. Auch andere Hemmungen durch negative Gruppenfaktoren werden vermieden. Während die Stimulation durch visuelle Echtzeit-Teamarbeit und Kreativitätstechniken maximiert wird.

    Die Stimulation durch Andere ist für den kreativen Prozess allerdings sehr hilfreich: Denn keine Kreativität ohne Stimulation! Durch die Stimulation wird die Assoziation angeregt. Diese führt wiederum zu neuen Verknüpfungen von Informationen.

    An der TU München sind auf dem Forschungsfeld der Kreativitätsunterstützung mehrere Dissertationen veröffentlicht worden: http://www11.in.tum.de/forschung/projekte/creative

    1. Besten Dank Herr Ehinger! Es ist leider ein großes Problem. Zu wenige Menschen beschäftigen sich ständig mit Ideen und Kreativität und einige unserer Wettbewerber verdienen gutes Geld mit Brainstormings ;-(

      Hinzufügen möchte ich, dass die angesprochene Software hilt, aber es natürlich eine Reihe weitere Anbieter gibt, die unsere Studie vergleicht und beschreibt: http://www.cridon.de/produkt/studie-innovationsmanagement-ideenmanagement-software/

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