Ideenmanagement der nächsten Generation: Ein neues [Paradigma]

Ideenmanagement im deutschsprachigem Raum hat sich stetig entwickelt – viele Maßnahmen sind ausgereift und weitflächig im Einsatz. Und doch ändert sich Ideenmanagement, vor allen beeinflusst durch neue Erkenntnisse: Unternehmen, die über den Aufbau von Ideenmanagement nachdenken, sollten nicht bestehende Systeme kopieren sondern den nächsten Schritt gehen.

Dieser Artikel ist etwas länger geraden. Eine Zusammenfassung finden Sie in unserer Checkliste (PDF)

Ideenmanagement der nächsten Generation

Ideenmanagement Definition und Begriff

Ideenmanagement = BVW + KVP

Auf diese einfache Formel lässt sich das Verständnis von Ideenmanagement im deutschsprachigen Raum bringen. Beide Methoden wollen Mitarbeitern neben der körperlichen Arbeitskraft Anreize für ihre Kreativität gegeben.

Ideenmanagement
Ideenmanagement

Die Definition von BVW

BVW, die Abkürzung von „Betrieblicher Verbesserungsprozess“, ist ein partizipatives System um das Ideenpotenzial aller Mitarbeiter (nicht nur das der Manager und Experten) in einer Organisation zu nutzen. Partizipativ heißt, dass Mitarbeiter Verbesserungsvorschläge einreichen können und unter bestimmten Voraussetzungen einen Teil der dadurch erzielten Einsparungen als Prämie ausgeschüttet bekommen.

1872 wurde BVW im sogenannten Generalregulativ von Alfred Krupp erwähnt. Das Generalregulativ beschrieb in 72 Paragrafen die Grundsätze der Geschäftsführung und der Unternehmensorganisation – eine frühe Betriebsvereinbarung. Bis heute ist BVW in vielen Unternehmen gleichbedeutend mit Ideenmanagement.

Die Definition von KVP

Die Abkürzung KVP steht für „Kontinuierlicher Verbesserungsprozess“ und zielt darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen ständig in kleinen Schritten zu verbessern. Ganz wie bei dem japanischen Kaizen. Diese Begriffe, Kaizen und KVP, werden im deutschen häufig synonym verwendet, obgleich große Unterschiede bestehen.

In Deutschland wurde in den 1990er Jahren in der Automobilindustrie aufgrund des großen Erfolgs von Toyota mit Lean- und Kaizen-Prinzipien mit KVP in Fertigung und Montage begonnen. Es verbreitete sich in alle Arbeits- und Wirtschaftsbereiche, auch weil derartige Prozesse für die Zertifizierung zu EN ISO 9001 erforderlich sind, und wurde so zu einem Merkmal mitarbeiter- und beteiligungsorientierter Unternehmenskultur. Die bekanntesten KVP-Maßnahmen und KVP-Methoden sind KVP-Teams, der Demingkreis (PDCA-Zyklus) und Six Sigma:

  • KVP-Teams bestehen aus Mitarbeitern, die regelmäßig Verbesserungspotentiale aufspüren und Pläne zur Umsetzung machen.
  • Der Demingkreis beschreibt den iterativen vierphasigen Prozess „Plan – Do – Check – Act“, was im Deutschen mit „Planen – Tun – Überprüfen – Umsetzen“ übersetzt wird. Das japanische Prinzip Gemba „Gehe an den Ort des Geschehens“ steht hier im Mittelpunkt.
  • Six Sigma (6σ) ist ein statistisches Qualitätsziel. Kernelement ist die Beschreibung, Messung, Analyse, Verbesserung und Überwachung von Geschäftsvorgängen mit statistischen Mitteln.

Die Definition von Kaizen

Das japanische Kai Zen bezeichnet das Streben nach kontinuierlicher und unendlicher Verbesserung. In Japan selbst wird Kaizen unabhängig von seiner im Westen verbreiteten qualitätsbezogenen Bedeutung verwendet.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Kaizen erstmals in der japanischen Industrie systematisch angewendet, um das Land nach der vernichtenden Niederlage im Zweiten Weltkrieg wirtschaftlich wieder auszurichten.

International wurde Kaizen Ende der 1980er Jahre mit dem Erfolg des Lean Manufacturing Systems bekannt. Viele Regeln wie 5S, 7W, 3Mu, 8V sind seitdem entstanden, um die Philosophie auch praktisch umzusetzen.

Betriebsvereinbarung: Inhalt und Muster

In Deutschland, weniger in der Schweiz oder Österreich, ist es getreu dem Krupp’schen Muster üblich, in einer Betriebsvereinbarung genau zu regeln, wie die Kreativität der Mitarbeiter eingefordert werden und honoriert werden kann. Die Betriebsvereinbarung regelt, wer Ideen wann, wo und wie einreichen darf und auch, was man dafür bekommt.

Damit soll ein Anreizsystem für das Personal geschaffen werden und die Berechnung von Prämien oder Prämienlohn geregelt werden. Besonderer Wert wird auf die Beschreibung von geistigem Eigentum und mögliche Patentansprüche gelegt, um rechtlich bindende Definitionen zu erreichen. Dies wird manchmal zusätzlich in Arbeitsverträgen abgesichert.

In unserer Checkliste werden alle Punkte behandelt, die in einer deutschen Betriebsvereinbarung zum Ideenmanagement berücksichtigt werden.

Die Entwicklung des Ideenmanagements: Der Paradigmenwechsel von Arbeitskraft zu Kreativität

Seit der industriellen Revolution nutzen wir die Arbeitskraft der Menschen. Wenige Personen definieren die Strategie eines Unternehmens oder haben die Zügel bei Finanzen in der Hand. Das Heer der Mitarbeitenden wird nicht für das Denken bezahlt, sondern ist für das Handeln zuständig. Und Handlungen sind reglementiert: Betriebsvereinbarungen, Arbeitsanweisungen und Vorschriften engen den Spielraum der Menschen ein, damit alles möglichst effizient und gleichbleibend wird.

Der Mensch agiert als Maschine.

Nicht Sascha Lobo sondern Kraftwerk kam als erster darauf, sich auch so zu nennen.

Mensch Maschine
Mensch Maschine

Computer und Roboter sind Maschinen. Durch die Digitalisierung werden sie immer besser und da sie Ihre Leistungskraft immer noch alle ein bis zwei Jahren verdoppeln (Moorsches Gesetz) werden die dramatischen Fortschritte deutlicher. Computer können besser entscheiden als Experten, Roboter übernehmen automatisierbare Aufgaben von Menschen.

Der Mensch ist keine Maschine: Bis Computer und Roboter kognitive Aufgaben so gut übernehmen können wie Menschen wird es noch lange dauern. Allerdings müssen sich Menschen künftig andere Betätigungsfelder suchen, um Computern oder Robotern überlegen zu sein: Auch Busfahrer, Piloten, Sachbearbeiter leben gefährlich, denn Ihre Arbeit kann automatisiert werden. Mitarbeiter müssen kreativer und innovativer werden.

Auch Unternehmen müssen sich umstellen. Zwar werden Ideen von Mitarbeitern heute mittels KVP bereits eingefangen, und verwertet. Aber Kreativität gilt als freiwillige, zusätzliche Tätigkeit, die gesondert honoriert werden sollte. Heute schon sind alle Unternehmen in Gefahr, die sich nicht ständig weiterentwickeln und neu erfinden. Wer meint, das heutige Kerngeschäft lasse sich ohne Veränderung morgen noch betrieben, der irrt nachweislich. Dazu müssen Unternehmen auf die Kreativität Ihrer Mitarbeiter zurückgreifen: dies ist die beste, billigste und am einfachsten erschließbare Kreativitätsressource.

Menschen werden zur Quelle für Ideen und Innovation.

Aber damit dies Realität werden kann müssen Kreativität und kreative Menschen andere Wertschätzung erfahren; Ideen und Innovation müssen zum Kerngeschäft der Unternehmen werden, und nicht nur ein lästiges Anhängsel: Das Ideenmanagement der nächsten Generation.

Motivation der Mitarbeiter steigern

Viele Menschen schaffen ihr tägliches Arbeitspensum heute knapp, sind nach der Arbeit völlig ermattet und können während kurzer, von e-Mails unterbrochener Urlaube, nicht erholen.

Die Harvard Professorin Teresa Amabile kritisiert die heutige gängige Unternehmenspraxis. Ihrer Überzeugung nach sind viele Arbeitenden der inneren Kündigung nahe. Deshalb empfiehlt sie, Freiräume zu lassen um eigene Erfolge erzielen zu können. Sie sagt, dass Fortschritt der größte Motivator unserer Zeit ist:

„Wirklich talentierte Personen verlieren Ihre Motivation, wenn sie keinen Fortschritt sehen. Sie gehen zur Tür hinaus, so bald sie dazu eine Gelegenheit haben.“

Sie empfiehlt, die Arbeit so zu gestalten, dass Mitarbeiter jeden Tag einen kleinen Fortschritt in die Richtung erzielen können, die sie interessiert: dafür kommen unterschiedlichste Dinge in Frage wie  weniger, anders, an anderen Dingen, mit anderen Menschen arbeiten. Wenn Menschen erfüllte Arbeit hätten, dann wären Sie motiviert und kein teures Motivationsprogramm wäre erforderlich.

Es gibt Unternehmen, die dies verstanden haben und ihren Mitarbeitern erlauben an der Umsetzung eigener Ideen mitzuwirken. Bis zu 20% der Zeit können Angestellte so in eigene, kleinere Projekte investieren. Apple hat die 20%-Regel eingeführt, um die Überperson Jobs aus den Köpfen der Mitarbeiter zu vertreiben. Erfunden hat die 20%-Regel 3M: Dort verwendet man diese seit 1948 sehr erfolgreich – als 15%-Regel.

Freiraum für mehr Kreativität

Immer noch gibt es viele Anhänger von Brainstorming oder anderen Kreativitätstechniken. Dabei wissen wir längst, dass Brainstorming zu weniger und zu schlechteren Ideen führt, als dies Menschen alleine erreichen können. Dies sind überkommene Vorstellungen von Menschen, die nicht wissen, wie man gute Ideen bekommt.

Ideen hat man am Besten alleine während man einer automatisierten Tätigkeit nachgeht. Man sollte nicht schlafen, gestresst oder müde sein, aber dennoch nicht nachdenken müssen.

Aber genau in solchen Phasen befinden sich immer weniger Arbeitnehmer. Wenn man keine Zeit hat, helfen auch keine teuren Sitzecken, Kicker oder Freigetränke.

Kreative Menschen benötigen mehr Freiraum und weniger einengende Vorschriften, und seien es Prozesse die vorschreiben, wie einen Idee einzureichen ist. Sie brauchen Transparenz und müssen Entscheidungen nachvollziehen können.

Kollaboration: Das Synonym für Zusammenarbeit

Für die meisten Arbeitnehmer ist es heute selbstverständlich zusammen zu arbeiten. Beim Thema Ideen nicht – forciert durch Betriebsvereinbarungen und gedrängt von der Unternehmensführung kochen hier viele ihr eigenes Süppchen.

Dabei fallen gute Ideen nicht vom Himmel – sie reifen nach und nach. Am schnellste geht dies, wenn man Anregungen anderer Menschen zu den eigenen Ideen erhält. Nicht selten bilden sich so Teams, die eine Idee gemeinsam umsetzen.

Dies lässt sich praktisch zeigen. Unser Partner Qmarkets hat Daten zu einer Vielzahl von Kampagnen mit mehr als 5.000 Teilnehmern ausgewertet.

Prämien und Erfolg
Prämien und Erfolg

Kollaboration, und sei es nur unpersönlich mit einer Software, steigert die Qualität der Ideen erheblich und senkt deren Zahl nur geringfügig. Prämienjäger lassen sich nicht von möglichen Kommentaren abschrecken, aber Menschen, die etwas bewegen wollen sind anderen Ideen gegenüber aufgeschlossen, und beteiligen sich an diesen, ohne selbst eine Idee einzugeben.

Warum Ideenmanagement?

Unternehmen sparen Millionen durch umgesetzt Ideen ein. So viel, dass von den Einsparungen leicht Prämien von bis zu 20% der eingesparten Summe gezahlt werden können.

Aber international wird Ideenmanagement weiter gefasst.

Ideenmamnagement
Ideenmamnagement

Viele Ideenmanager halten diese Ansätze für nicht kombinierbar. Genau der gleichen Ansicht sind Innovationsmanager oder Produktmanager, die sich gerne des Hilfsmittels der Ideenkampagne bedienen. Ständige Ideen werden als hinderlich empfunden.

Beide Parteien vergessen dabei, dass der Mensch Adressat ihrer Bemühungen ist. Menschen haben Ideen unabhängig von Unternehmensprozessen. Deshalb können beide Abläufe nebeneinanderstehen. Sie können sich sogar der gleichen Manager oder Paten bedienen.

Auch die verwendete Software kann, zumindest, wenn sie modern ist, für mehrere Prozesse eingesetzt werden:

  • Gemba Kaizen
  • Das Kanban-System
  • Kontinuierlicher Verbesserungsprozess
  • Betriebliches Vorschlagswesen
  • Open Innovation
  • Marktforschung
  • Forschung und Entwicklung
  • Kostensenkung
  • Optimierung von Geschäftsprozessen

können oftmals mit der gleichen Software unterstützt werden.

Die Statistiken unseres Partners Qmarkets, der ca. 600 Kampagnen ausgewertet hat, sprechen eine klare Sprache.

Warum-Ideenmanagement
Warum-Ideenmanagement

Ideenmanagement hilft auch bei Forschung und Entwicklung, und ein stark verbreiteter Aspekt ist, Mitarbeiter zu motivieren und Externe einzubeziehen!

Prozesse verbessern und Kosten senken

Etwa ein Viertel der internationalen Kampagnen unseres Partners dienen der kontinuierlicher Verbesserung, KVP, und dem dem betrieblichen Vorschlagswesen.

Neue Produkte entwickeln

Ideenmanagement wird weit häufiger in der Forschung und Entwicklung eingesetzt, als angenommen. In interdisziplinären Teams werden Lösungen gesucht und kreative Optionen eröffnet.

Zufriedene Kunden und Mitarbeiter

Unternehmen können die Kundenzufriedenheit verbessern und Mitarbeiter motivieren, indem Sie Kunden und Mitarbeiter einbeziehen, überraschen und für Ideen begeistern. Fast die Hälfte aller Kampagnen dienten diesem Zweck!

Prognosen und Vorhersagen treffen

In dieser Statistik ist eine wichtige Funktion des Ideenmanagements nicht gesondert aufgeschlüsselt. Dieser Artikel beschäftigt sich intensiv damit, wie wir Prognosen und Vorhersagen besser treffen können. Viele Menschen spielen dabei eine große Rolle – die Crowd kann verlässlicher Prognosen treffen, als die meisten Experten, auch Experten der Marktforschung.

Ideenmanagement Prozess

Solche Veränderungen schlagen sich auch im Ideenmanagement-Prozess nieder:

Ideenmanagement Prozess
Ideenmanagement Prozess

Verbesserungsvorschläge und gute Ideen finden

Schnelle Eingabe

Ideen sind flüchtig. Im Alltag und bei der Arbeit sind sie oft so schnell verschwunden, wie sie gekommen sind. Deshalb müssen wir Ideen sofort aufschreiben, fotografieren oder ausnehmen. Zur Analyse der Ideen ist später noch Zeit. Längst vergessene Ideen können sich als Juwel erweisen.

Allerdings wollen wir schnell erkennen können, ob eine Idee schon einmal da war oder ob sie verwand ist mit anderen Themen. Hier kann Software helfen.

Kampagnen: Einflüsse und Bias

Menschen sind leicht zu beeinflussen, im Guten aber auch im Schlechten – der Nobelpreisträger Daniel Kahneman zeigt dies mit seinem Buch „Schnelles Denken – langsames Denken“ eindringlich.

Mit Ideen-Kampagnen können wir diese zum Vorteil nutzen. Indem wir Fragen für einen gewissen Zeitraum stellen lenken wir die Gedanken der Menschen in eine Richtung. Andere Effekte, wie zum Beispiel den Lösungsraum einzuschränken indem „umsetzbare“ Ideen gesucht werden, vermeiden wir tunlichst. So erhalten wir viele Ideen mit einer gewissen Zielrichtung.

Ideenwettbewerbe, Ideen-Challenges oder Ideen-Börsen: Ideen erzeugt man am besten, wenn man eine Gruppe von Menschen über einen bestimmten Zeitraum mit einer klaren Botschaft anspricht. Damit lassen sich die obigen Effekte vereinen: Menschen erhalten Zeit, selbst kreativ zu werden, und sie können sich Anregungen andere Menschen holen oder deren Ideen bewerten oder kommentieren.

Unternehmen erzielen die besten Ergebnisse, wenn sie temporäre Ideen-Projekte (meistens ein bis drei Monate) durchführen, die eine klar gestellt Frage zum Ziel haben und sich an eine dazu passende Gemeinschaft wenden.

Ideen entwickeln

Ideensynthese, Cross-Innovation
Ein weiterer Trend ist, mehr auf die Qualität der Ideen zu achten. Mit klaren Fragen zu Wirtschaftlichkeit, Machbarkeit oder dem Ziel einer Idee werden Nutzer dazu angehalten, Ihre Ideen weiter zu entwickeln. Dies senkt die Anzahl der Ideen, die sich für eine Bewertung qualifizieren, aber es erleichtert deren Umsetzung.

Menschen entwickeln Ideen aus Ihrem Wissen heraus. Wenn sie sich unterhalten, dann erweitern sie ihr Wissen – sie lernen über die Ideen anderer und können darauf aufbauen. Unser Wissen ist heute um ein Vielfaches größer als früher, und weil die Menschheit bereits so viele Ideen hatte, ist es nur folgerichtig, dass neue Ideen oft aus alten Ideen resultieren. Egal wie man es nennt: Ideensynthese, The fourth Quadrant, oder Cross-Innovation.

thumbs-up

Wie in Social Media-Tools üblich, können Teilnehmende heute Ideen mit Daumen-hoch Symbolen oder mit Sternen auf einer Skala bewerten und kommentieren. Die Ideen, die am meisten positiven Zuspruch erfahren haben gewinnen.

Dies führt dazu, dass die Mitarbeitenden, die am meisten Menschen für ihre Sache begeistern können die größten Chancen haben. Objektiv ist dies nicht, aber hilfreich im Sinne der Umsetzung. Je mehr Menschen eine Sache unterstützen, desto leichter lässt sich diese erreichen.

Das neue Ideen-Formular

Bei vielen Firmen werden Ideen mit kurzen, textlichen Beschreibungen erfasst. Das führt dazu, dass man Ideen schnell einreichen kann, aber es verleitet auch dazu, wenig über Ideen nachzudenken. Mit präzise formulierten Fragen und entsprechend gestalteten Ideen-Formularen ist es möglich, Einreichende darauf hinzuweisen, dass es mit einem Satz nicht getan ist. Dafür gibt es verschiedenste Vorlagen wie beispielsweise CO*Star, das Business Model Canvas, oder das Lean Canvas. Einreichende werden durch Fragen wie „Wer ist potentieller Kunde der Idee“, oder „Wie groß ist die Einsparung durch diesen Verbesserungsvorschlag“ gelenkt und durch Videos oder Handlungshilfen unterstützt.

Ideen bewerten und auswählen

Gute Ideen sind schwer zu finden. Auch deshalb, weil „gut“ ein relativer Begriff ist. Gut ist nicht objektiv. Zwei Mechanismen helfen dabei dennoch, Spreu vom Weizen zu trennen: objektivierte Auswahl, Algorithmen und die „Weisheit der Vielen“.

Fachwissen: Das Synonym für Experten-Tipps

Die Frage wann man der Intuition von Experten vertrauen kann wurde in den letzten Jahren ausführlich durch Psychologen untersucht. Zwei gute Kriterien sind, inwiefern die betrachtete Situation wirklich der der Expertise des Gutachters entspricht, und wieviel Erfahrung er auf diesem Gebiet hat.

Soviel Erfahrung aufzubauen kann lange dauern – beschäftigt man sich nur eine Stunde am Tag mit genau der beschriebenen Situation benötigt man bereits fünf Arbeitsjahre um alleine Tausend Stunden Erfahrung vorzuweisen. 30 Jahre sind so nötig, um die 6.000 Stunden Übungserfahrung zu sammeln, die man für gute Klavierspieler fordert.

Bei geänderten Rahmenbedingungen liegen Experten mit ihrer Einschätzung schnell daneben. Das ist der Grund warum der Wissenschaftler Philip Tetlock sagt, dass Experten mit Ihren Vorhersagen nicht besser ins Schwarze treffen, als mit Darts spielende Affen.

Crowd-Darts-Schimpansen

Verlässliche Experten gehen vorsichtig vor, und prüfen ihre Gutachten mit jeder neuen Information.

Ideen objektiviert bewerten

Heute werden oft aufwendige Bewertungsrunden („Stage Gates“) in Gremien aus Experten, Vorgesetzten oder sonstiger Interessierten organisiert. Dies lassen sich besser virtuell abhalten, denn Absprachen und Gefälligkeiten sind der Hauptgrund dafür, dass solche Gremien des Öfteren schlechte Entscheidungen fällen.

Am Besten ist es, bereits vor der ersten Phase des Prozesses Kriterien dafür aufzustellen, welche Ideen gesucht und gut bewertet werden. Dann sollte jeder Teilnehmer einer Entscheidung getrennt von anderen jede Idee bewerten. Treffen braucht man sich dann nur noch um die Umsetzung der gewinnenden Ideen zu besprechen.

Die Eigenschaften von Algorithmen

Auch einfache Algorithmen sind heute statistisch gesehen besser als vielen Experten. Solche Algorithmen kann man in jedes Kaizen- oder KVP-Projekt integrieren um Bewertungen verlässlicher zu machen.

Crowdsourcing

Last but not least: Eine erstaunliche Erkenntnis der letzten Jahre ist, dass die „Weisheit der Vielen“ tatsächlich hilft. Unter anderem Philip Tetlock hat dies in Langzeitstudien belegt.

Mit guter Ideenmanagement-Software können sie Entscheidungen an Ihre Mitarbeiter, an Ihre Kunden oder auch Partner delegieren. An ihr kreatives Netzwerk!

Ideen umsetzen: Gestalten statt verwalten

Heutiges Ideenmanagement ist darauf ausgerichtet, genauestens zu prüfen ob eine Idee umgesetzt Werden kann. Damit alles gerecht zugeht werden große Anstrengungen unternommen Prämien korrekt zu berechnen.

Das führt oft dazu, dass wenige Ideen umgesetzt werden und manchmal jahrelange auf einer Halde liegen, bis sie zum Einsatz kommen. Wenn zu wenige Ideen umgesetzt werden sinken Effizienz und die Motivation.

Deshalb unterstützen immer mehr Firmen die Umsetzung von Ideen, und sie analysieren wie viele Ideen umgesetzt werden. Der neue Ideenmanager wird zum Agenten und siehst als vordringliches Ziel seinen Kollegen zu helfen, ihr Ideen in die Tat umzusetzen.

Durchlaufzeiten werden so von vielen Monaten auf wenige Wochen verkürzt!

Ideenmanagement Beispiele

Es gibt jede Menge Beispiele für gelungenes Ideenmanagement oder gute Verbesserungsvorschläge. Hier ist unsere Sammlung – Beispiele von uns, unseren Partnern und aus der Wirtschaftsgeschichte:

Kosteneinsparungen bei einer Bank, einem Energieversorger und im öffentlichen Dienst

Eine große Schweizer Privatkundenbank hat seit 2007 über 20 Millionen CHF durch Ideen von 10.000 Mitarbeitern eingespart.

Ein weltweit führender Energieversorger fand mit 1.300 Mitarbeitern 1.350 Ideen zur Verbesserung der internen Prozesse. 59 dieser Ideen führten bereits zu mehr als 14 Millionen Euro Einsparungen.

Ein englisches Ministerium hat mit 120.000 Mitarbeiter an verschiedenen Standorten Ideen gefunden, die bislang zu 21 Millionen Pfund Einsparungen führten.

Umsatzsteigerungen in der Telekommunikation

Ein weltweit führendes Telekommunikationsunternehmen hat mit 140.000 Angestellten 10.000 Ideen erzeugt. Diese führten zu einer Umsatzsteigerung von 100 Millionen Pfund.

Neue Produkte bei Medien und Getränken

Ein Fernsehsender hat durch Einbeziehung aller Mitarbeiter ein neues Serienformat entwickelt und eingeführt.

Zwei internationaler Getränkekonzerne haben durch die weltweite Kollaboration von Marketiers den Namen für eine weltweit eingeführte Getränkemarke gefunden.

Ideenmanagement Thyssen Krupp

Thyssen Krupp ist sozusagen die Wiege des betrieblichen Verbesserungswesens. Seit hundert Jahren werden hier Ideen gesammelt und umgesetzt. Ein firmenweiter Prämienshop ermöglicht es, eine Prämie schnell einzulösen. Ein öffentlicher Ideenpark zeigt dies.

Ideenmanagement Volkswagen

Im Jahr 2014 haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Volkswagen 66.260 Verbesserungsvorschläge eingereicht – mehr als jemals zuvor in der 65-jährigen Geschichte des Ideenmanagements bei Volkswagen. Mehr als 110 Millionen Euro wurden dadurch eingespart – 20 Millionen an Prämien ausgeschüttet.

Deutschlandweit arbeiten rund 50 Experten für das Volkswagen Ideenmanagement. Darüber hinaus sind in den Volkswagen-Werken Ideenmanager tätig.

Ideenmanagement Deutsche Post

Bei einem der größten Arbeitgeber weltweit ist das Ideenmanagement noch relativ jung – im Bereich DHL ist es erst seit 1999 im Einsatz. Aber heute ist es inhärenter Bestandteil der Unternehmensstrategie und modern ausgestattet: Auf einer Intranet-basierten Ideenmanagement-Plattform können Mitarbeiter ihre Vorschläge schnell und unkompliziert einreichen und sich zu diesen Ideen auch dort austauschen. So können bereits erste Gedanken zu einem Vorschlag im Kollegenkreis diskutiert und gemeinsam weiterentwickelt werden.

Kaizen bei Toyota

Vor allem Toyota lebte diese Philosophie sehr ausgeprägt und erfolgreich vor. Kaizen hat bei Toyota Workshop-Charakter und wird von internen oder externen Moderatoren geleitet.

Six Sigma bei General Electric

Six Sigma entstand Ende der 1980er Jahre in den USA und erlangte die größte Popularität durch die Erfolge bei General Electric (GE). Auch heute noch verfolgt man dort die Taktik, alle Fehler im Produktionsprozess auszumerzen: „zero defects“.

Eine Zusammenfassung dieses Artikels finden sie in unserem e-Book PDF

Ideenmanagement der nächsten Generation