Ist Uber das Problem oder gibt es im Taxigewerbe sowieso Probleme?

So neu ist Ubers Geschäftsidee nicht. Man vermittelt Fahrer plus Untersatz für Menschen, die gefahren werden wollen. Aber an dem Internetunternehmen Uber entzündet sich Kritik – weltweit – weil es einige neue Aspekte in altbewährtes Geschäft bringt. Uber hat einen Anstoß gegeben, über gängige Praktiken nachzudenken. Jetzt sollen wir dies auch tun!

Der Uber Deutschland-Sprecher Fabien Nestmann hat Recht, wenn er in der der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über das das deutsche Personenbeförderungsgesetz sagt:

Das sind ziemlich alte Gesetze aus den 60er Jahren, die nicht mehr ins heutige Zeitalter mit Smartphones und Satellitennavigation passen

Aber der Reihe nach: Die App für Smartphones Uber greift nicht nur Taxifahrer an, sondern auch noch Vermittlungsdienste und Zahlmethoden.

Taxi

Der mündige Fahrgast

Ein gewichtiger Grund für eine ernsthafte Diskussion, der oft unterschätzt wird sind wir – die Fahrgäste. Denn für uns Fahrgäste kann sich die Erfahrung einer Taxifahrt erheblich verbessern. Es ist eben nicht mehr so, dass der offizielle Taxibetrieb saubere Autos mit freundliche Taxifahrern mit Ortskenntnis bietet. Es gibt saubere Taxis genauso wie solche, die geradezu stinken und den Eindruck erwecken noch niemals geputzt worden zu sein. Manche deutsche Taxifahrer kennen den Weg nicht. Ein Problem vor allem dann, wenn sie nicht mal des Deutschen mächtig sind und folgerichtig daran scheitern die Adresse richtig ins Navigationsgerät einzutippen. Und wer weiß schon, ob man immer den kürzesten Weg gefahren wird? Hier hilft ein System, das Empfehlungen zulässt und Preise vergleicht. Im Tourismus hat sich hier viel getan. Im Taxigewerbe noch nichts.

 Für Taxifahrer und Taxiunternehmer

Aber genau das ist eine große Chance für ehrliche und redliche Taxifahrer und Taxiunternehmer. Sich einen guten Namen zu machen hilft heute nur bei Vorbuchungen wenn man Strecken öfter fährt. Der Fahrgast, der einige Firmen durchprobiert hat  wird immer das gleiche Unternehmen beauftragen, wenn nicht sogar den gleichen Fahrer. Nur wenn man irgendwo ankommt und sich nicht auskennt hilft das gar nichts. Der Taxifahrer kann sich in den riesigen Schlangen an Flughäfen nicht differenzieren und wir stehen hilflos vor endlos langen Taxischlangen. Dann ist es sogar von Nachteil, wenn man seinen Wagen aufwendig pflegt. Das es stinkt, riecht man erst wenn man bereits im Taxi sitzt.

Ist Uber also asozial? Wie Kai Makus richtig schreibt:

Taxi-Fahrer haben nicht gerade Traumjobs. Viele arbeiten auf eigene Rechnung, sind mehr schein- denn wirklich selbstständig. Für sie wirken die regulierten Taxen wie eine Art Mindestlohn.

Das ist richtig. Die bestehenden Gesetze sind eine Garantie dafür, dass die Gehälter von Taxifahrern nicht ins Bodenlose stürzen. Aber sie sind eben auch eine Garantie dafür, dass es sich nicht auszahlt besser zu sein, als der Kollege. Heute zählen hauptsächlich Kilometer und Sitzfleisch. Freundlichkeit, Sauberkeit, Ortskenntnis und vieles mehr zählen viel weniger. Deshalb sollten wir Minijobs und sonstige Arbeitsmodelle aktiv diskutieren. Vielleicht bringt gerade dies die Wende!

Taxizentralen müssen Unternehmer werden

Viele der deutschen Taxis sind einer der etwa 500 Taxizentralen angeschlossen die oft genossenschaftlich organisiert sind. Das heißt Taxifahrer zahlen etwas für die Taxizentrale und müssen sich auch den Regeln einer Genossenschaft unterwerfen. Einerseits ist es so für die einzelnen, selbständigen Fahrer eine Auswahlentscheidung, für welche Taxizentrale oder eben Smartphone-App sie fahren. Andererseits gehört Ihnen so auch ein Teil einer Zentrale. Bei Uber gehört Ihnen nichts. Der Angriff Ubers ist somit auch ein Weckruf für Taxizentralen. Sie müssen sich nun anstrengen und einen guten Service für alle bieten: die Passagiere, die Fahrer und die Unternehmer. Es geht schlechter!

Es geht gar nicht um Uber

Aber wir sollten die Diskussion darüber eben nicht nur Uber überlassen. Denn einerseits misst Uber mit zweierlei Maß. Es sieht sich als Revolutionär und möchte die Welt von der Diktatur bisheriger Monopolisten befreien. Revolutionär zu sein heißt Regeln zu brechen. Und so haben Ubers Macher wohl den Überblick darüber verloren, welche Regeln man achten sollte! Munter greifen leitende Mitarbeiter auf Reservierungs- und Transportdaten Ihrer Kunden zu um diese für eigene Zwecke zu missbrachen! Und außerdem sollten wir selbst in der Lage sein, zukunftsweisende Vorschläge zu erarbeiten. Wieder einmal gilt: das Silicon-Valley hat eine Nische entdeckt, die im Gestern lebt. Und wir sollten den Hinweis dankend aufnehmen und unsere Zukunft selbst gestalten!

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