Zunehmend können wir interessante Artikel über den Sinn oder den Unsinn der Informationstechnologie lesen. Ein Beleg dafür, dass diese Frage intensiver als früher diskutiert wird. Informationstechnologie und das Internet stehen seit drei Jahrzehnten für Freiheit und für Fortschritt.
Man könnte allerdings meinen, dass sich die Uhren zurückdrehen. Ist es Fortschritt von IBM-Hosts über Client-Server-Systemen zu Software-as-a-service-Hosts zu gelangen? Von proprietären Microsoft Systemen über open source zu proprietären Apple Applets?
Was bringt Informationstechnologie?
Es gibt Sie – Denker, die einen unverstellteren Blick auf Segen und Fluch der Informationstechnologie haben, als wir. Erik Brynjolfsson, der Schussel Professor an der MIT Sloan School of Management ist ein solcher. Ich habe hier bereits vor einiger Zeit über seine Thesen zur Informationstechnologie geschrieben. Zwei Aspekte sind mir in letzter Zeit besonders aufgefallen.
Dieses Jahr hat er in strategy+business ein Interview gegeben, das unter anderem darauf eingeht, dass er die Informationstechnologie nicht nur für segensreich hält. So berichtet er über Erkenntnisse, dass uns künftig längere Zeiten der Arbeitslosigkeit drohen könnten, die dann entstehen, wenn Wissen veraltet, und man nicht nur die Firma sondern auch die Branche wechseln muss. Oder über die mögliche zunehmende Ungerechtigkeit weltweit, wenn klar wird, dass der Segen der Informationstechnologie einer noch kleineren Gruppe von Menschen (den Eingeweihten) zu Wohlstand verhelfen könnte als bisher. In seinem neuen Buch Wired For Innovation: How Information Technology Is Reshaping the Economy beschreibt er dies eindrücklich.
Auch in seiner Veröffentlichung “A nearly perfect world” betritt der aus Sicht der Internet-Jünger provozierendes Neuland, wenn sagt, dass Nutzer aufgrund hoher Preiselastizität und hoher Kosten für die Online Suche bei Online Käufen relativ hohe Preise zahlen, auch in der nahezu perfekten Welt. Dies ist ein Schlag ins Gesicht der Werbestrategie Googles, denn wir suchen ja dort deshalb nach Produkten, weil wir davon ausgehen, dass wir uns schnell und gut informieren können. Ähnliche Aspekte habe ich in den Analysen zu der Eignung des heutigen Internet für Frauen beschrieben.
Geht es um technische Trends?
Sind es tatsächlich die technischen Trends, die wir beachten sollten wenn wir über das Internet oder die Informationstechnologie sprechen? Verfolgt man Jim Hesketts Diskussion How Much Obsolescence Can Business and Society Absorb? in Harvard Business School online von 2010 bekommt man den Eindruck, dass es darum zu allerletzt geht. Zunehmend wichtiger ist die Frage wohin uns Informationstechnologie und Internet bringen.
Früher konnte an abwarten und sich einen technologischen Trend anschließen. Einmal erworbene Erkenntnisse hielten ein Berufsleben lang. Heute ist dies oft unmöglich, denn neue Erkenntnisse prasseln mit großer Geschwindigkeit auf uns ein. Jim Heskett fragt ”Wie messen wir die Qualität der Informationen, die wir erhalten? Wann ist eine Information beständig genug? Und er zitiert die Eishokey Legende Wayne Gretzky, der sagte “skate to where the puck is going to be”!
Genau diese Unabhängigkeit ist in der Welt des Internet allerdings schwierig zu erlangen. Man wird ständig beeinflusst von neuesten Erkenntnissen und Trendstudien, wie z.B. der von McKinsey zu Technologie Trends von August 2010. Besonders zwei der beschrieben Trends passen zu Cridon, weswegen ich diese herausstelle:
- Trend 7: Imagining anything as a service, und
- Trend 9: Innovating from the bottom of the pyramid
Bejubelt die Web2.0-Fan-Gemeinde das Problem?
Eine sehr interessanten Artikel zu diesem Thema lieferten dieser Tage die beiden Internet-Urgesteine Chris Anderson und Michael Wolff in Wired: The web is dead – long live the internet.
Statistisch gesehen wird HTML, das Protokoll, das für das eigentliche Internet steht immer weniger genutzt. Statt dessen schauen wir Videos oder kommunizieren miteinander. Nur noch ein Viertel des Internetverkehrs findet in “Freiheit”, in HTML statt.
Hinzu kommt, dass die goßen Internet-Firmen einen immer größeren Anteil der weltweiten Kommunikation auf sich vereinen. Compete, eine Web-Anbalyse Agentur, zählt auf, das die Top 10 Webseiten in 2001 für 31 Prozent der US Pageviews standen, für 40% in 2006 und für 75% in 2010. Der russische Facebook-Investor Milner sagt dazu: “Big sucks the traffic out of small.”
Man kann dies als einen Belege dafür sehen, dass Informationstechnologie und das Internet in der Normalität angekommen sind. Ein Schicksal, dass alle Technologien irgendwann ereilt.
Man kann aber auch hinterfragen warum gerade diese großen Unternehmen, Google, Apple, Facebook etc. so viel Vertrauen genießen und so oft genutzt werden. Ich denke, dass die Diskussion darüber begonnen hat und nicht mehr aufzuhalten sein wird. Die Informationstechnologie und das Internet der Zukunft wird regulierter sein, denn zu viele Effekte werden momentan deutlich, die kritisch betrachtet werden können: Googles Datensammelwut, Apples Versuch proprietäre Appletts in den Mittelpunkt zu rücken, Facebooks Aussagen zur Privatsphäre.
Erste Ansätze gibt es, wie z.B. die amerikanische FCC-Broadband-Policy von 2005, die den offenen Zugang zum Internet forderte. Oder die Diskussionen der Bundesregierung über Google Street View. Ich bin gespannt, was folgen wird.





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