“Steve it” statt Portfoliomanagement

On 28. Mai 2010, in Alle Artikel, D3 Innovation Framework, by Jürgen H. Stäudtner

Apple ist so erfolgreich wie nie – am 26. Mai wurde Apple zum wertvollsten Technologiekonzern Amerikas vor Microsoft. Natürlich spielt Steve Jobs in allen Erklärungsmodellen für diesen Erfolg eine wichtige Rolle. Sein Mut zur Priorisierung wird dabei oft unterschätzt – er könnte das klassische Portfoliomanagement nach Cooper jedoch revolutionieren.

Apple ist seit gestern der zweitwertvollste Konzern Amerikas und nur übertroffen von Exxon Mobile. Vor Microsoft und mit weitem Abstand vor Google (siehe BNet). Apple ist auch weitaus profitabler als Google, wie digital trends zeigt. Für mich ist diese Meldung durchaus überraschend, da sie die Bedeutung der technischen Diskussion in den letzten Monaten relativiert.

Google ist heute weit weniger bedeutsam als man meinen könnte (nytimes). Es vergeht kaum ein Monat, in dem Google nicht eine weitere Sensation, ein weiteres Produkt verkünden würde. Diesen Meldungen zum Trotz generiert Google den weitaus größten Teil seines Umsatzes mit der bekannten Suche. Apple hingegen hat in den letzten Jahren sein Produktangebot weniger aggressiv ausgeweitet (hbr-blog). iPod, iTunes, AppleStore und das iPhone mit dem AppStore sind allerdings Produkte, die Industrien verändert haben. Man kann davon ausgehen, dass das iPad ähnliches erreichen wird.

Woran liegt das?

Viele Bücher wurden über Apple und Steve Jobs geschrieben. Kontrolle, Verschwiegenheit, und großes Verständnis der Kunden werden als Hauptfaktoren des Erfolgs genannt. Für mich ist ein weiterer Faktor mittlerweile mindestens so bedeutend geworden: die Konzentration auf das Wesentliche. Apple erreicht dies durch:

  • “Steve it”: Steve Jobs kürzt die Entwicklung neuer Produkte und Services mutig und radikal. Es gibt keine Docking-Stationen für Apple Laptops, die ersten iPhones hatten keine Cut-and-Paste Funktionen. Apple bietet im Wesentlichen drei verschiedene Laptops an – wieviele hat Dell?
  • Risiko:  Apple hat ein anderes Risikoverständnis als viele Unternehmen. In Zeiten großer Veränderungen bedeutet es oft weniger Risiko sich zu verändern, als behutsam vorzugehen.
  • Klare Linie: Apples neue Produkte und Services passen zu den alten und zeigen dennoch in die Zukunft – es gibt keinen Erklärungsbedarf.

Die meisten Firmen versuchen dies durch Portfoliomanagement zu erreichen. Im Rahmen der Produktentwicklung ist ein wesentliches Element der von Robert Cooper entwickelte Stage-Gate Prozess, der durch eine stufenweise Bereinigung des Produkt- und Serviceportfolios die erfolgversprechendsten Entwicklungen priorisieren soll Diese Entscheidungen werden meist von Gremien getroffen. Möglicherweise sind Gremien (und Google?) weniger mutig als Steve Jobs.

Siehe auch unsere Artikel:

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