Ideenmanagement-Software: Definition, Anforderungen und Vergleich

Ideenmanagement im deutschsprachigen Raum ist ein feststehender Begriff. Die zugehörige Software weißt große Unterschiede auf. Vielseitige Funktionen, Software-Architekturen oder Entwicklungsperspektiven führen zu einer großen Auswahl. Die cridon Software-Studie erleichtert den Vergleich, indem sie typische Anforderungen beschreibt und die Software aller relevanter Lieferanten dagegen prüft – moderne Apps, international tätige Anbieter und traditionelle, deutsche Lieferanten.

Sie lesen hier das Management Summary bzgl. des Ideenmanagement, eine Differenzierung der Anbieter von Ideenmanagement-Software, einer Übersicht über den Ideenmanagement-Prozess und übergreifende Anforderungen.

Ideenmanagement-Software Vergleich

Unsere Studie: Einfache Entscheidungen über die richtige Software

Viele unserer Kunden sind von der Bandbreite der Möglichkeiten überfordert. Sie investieren viel Energie um zu definieren, was sie benötigen. Diesen Prozess können sie abkürzen, indem sie aus über 680 Anforderungen auswählen, die in der Studie definiert sind. Eine Anlage zum Ankreuzen dieser Anforderungen zur Verwendung in einer Ausschreibung liegt bei.

Wir haben telefonisch, per Internetrecherche und persönlich weltweit über 344 Anbieter identifiziert, und 123 von diesen näher untersucht und beschrieben. Alle Arten von Software wurden dabei berücksichtigt: Apps, Software as a Service, Software per Installation vor Ort, sowie offene und geschlossene Software-Plattformen.

Studie Innovationsmanagement- und Ideenmanagement-SoftwareDie cridon Studie unterscheidet sich somit von den Marktstudien großer Anbieter wie Forrester, Gartner oder InfoTech und auch von Ihrem Vorläufer, unserer ersten Studie zu diesem Thema. Sie hat einen breiteren Blick und vergleicht nicht nur Software-Anbieter einer Gattung. Unterschiedlichste Anbieter auch von Software, die nicht direkt zu diesem Zweck erstellt wurde, werden durchleuchtet.

Ergebnis bezüglich Ideenmanagement-Software

Das ausführliche Ergebnis unserer Studie ist in dieser beschrieben – inklusive eines umfangreichen Datenblatts mit dem sie die Bewertung nachvollziehen können, und der Vorlage für eine Ausschreibung.

Studie Ideenmanagement
Studie Ideenmanagement

Als erster Anhaltspunkt zählen wir einige der wichtigsten Ergebnisse hier auf:

Klassische Anbieter

Viele klassische Anbietern für deutsches Ideenmanagement befinden sich am Scheidepunkt. Wir können nur drei von diesen empfehlen: HLP Ideenmanagement, iTonics und ID-Force von Ibykus. Einige weitere Anbieter können fallweise passen – man sollte vor allem die Zukunftsfähigkeit bewerten. Bei dem selbst ernannten Marktführer Koblank ziehen wir diese so stark in Zweifel, dass wir die Software nicht in die Studie aufgenommen haben.

Internationale Ideenmanagement Anbieter

Internationale Anbieter von Ideenmanagement sind moderner, breiter aufgestellt und zukunftsfähiger als die meisten rein deutschen Anbieter. Die deutsche Firma Hype, Mindjet und QMarkets haben jeweils Ihre Vorzüge. Brightidea hat sehr gute Software, ist aber weniger in Europa tätig. cmnty, Crowdicity oder Nosco sind sehr modern, aber eher international tätig und spezialisiert. Crowdworx schaffte es als zweiter deutscher Anbieter in unserer Top 10.

Ideen-Apps und -Tools

Wenn es um den ersten Schritt des Ideenmanagements geht, Kreativität und das Finden von Ideen, ist die meiste Software erstaunlich schlecht aufgestellt, obwohl gerade dies im Sinner der Digitalisierung ist: Bei Apps ist Evernote Marktführer, Mindjet oder Brightidea haben hilfreiche Tools, aber vor allem neue Anwendungen wir Mural.ly, Think & Paper von FiftyThree oder Bamboo Paper von Wacom glänzen und könnten sich von der reinen Unterstützung von Kreativität zum prozessgetriebenen, vollwertigen Anbieter wandeln.

Ideenmanagement-Software Freeware, kostenlos

Gute Software in diesem Segment ist nicht kostenlos.

Apps werden meist nach dem Freemium Prinzip vertrieben – Evernote und Andere bieten eine gute kostenlose Ausgangsbasis.

Auch mit den Office Anwendungen von Google Docs oder Microsoft Office 365 lässt sich ein rudimentäres Ideenmanagement erzeugen – wenn man die kollaborativen Elemente nutzt. Reine Desktop-Versionen sind genauso wenig geeignet, wie normale Intranet-Software.

Ideenmanagement Software Open Source

Es gibt keine empfehlenswerte Open-Source Lösung für Ideenmanagement.

PPM-Systeme

Last but not least. Für größere Unternehmen ist Projekt- und Produktportfolio- Software (PPM) interessant, weil sie oft große Pakete verwenden und das Ideenmanagement relativ leicht hinzugefügt werden kann. Dies sind vor allem Planisware, Work Technologies, Sciforma, Microsoft, Oracle und CA-Technologies. SAP hat ein neues Modul für Ideenmanagement herausgebracht, das noch nicht weit verbreitet ist und mit Planview steht eine sehr projektbezogene, amerikanische Lösung bereit.

Wer gute Ideenmanagement-Software mit PPM-Systemen sucht, kommt um die Kombination unterschiedlicher Anbieter jedoch nicht herum.

Welche Arten von Ideenmanagement-Software gibt es?

Traditionelle Ideenmanagement Software unterstützt den kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) und das betriebliche Vorschlagswesen (BVW) nach einem klar definierten Ideenmanagement-Prozess.

Ideenmamnagement
Ideenmamnagement

Ideenmanagement hat in Deutschland eine spezifische Bedeutung, die ausgefeilte Workflows und die Berechnung von Prämien erfordert.  Eine ganze Industrie hat sich auf dieser Basis in den letzten zwei Jahrzehnten herausgebildet.

Die Anbieter folgen unterschiedlichen Zielen: manchen investieren kontinuierlich, andere bauen auf vorhandene Funktionen. Dazu kommt, dass andere Softwarehersteller heute in das Terrain klassischer, deutscher Hersteller eindringen: Weltweit stehen weniger bestimmte Prozesse und klare Regeln z.B. für den Ideenmanagement-Prozess im Vordergrund, sondern eher, wie Ideen am sinnvollsten bewertet werden kann, wie man viele Menschen zum Mitmachen begeistern kann, oder wie man sicherstellt, dass Ideen auch umgesetzt werden.

Innovationsmanagement-Software wie SAP hat hier ihren Schwerpunkt und erweitert das Angebot immer öfter um eigene Ideenmanagement-Komponenten. Apps für Smartphones sorgen dafür, dass keine Idee mehr verloren geht und expandieren ebenfalls in traditionelle Bereiche. Projektmanagement-Anbieter bieten Funktionen an, die sich auch für Ideenmanagement nutzen lassen; einige Internet- und Social Media-Systeme lassen sich ebenfalls für Ideenmanagement nutzen. Auch ein Ideenmanagement-Tool, Freeware, „kostenlos-Software“ oder Software, die „eh-da“ ist kann sinnvoll sein.

Es ist sinnvoll, über den Tellerrand hinaus zu blicken, denn dies erhöht die Chancen, dass man mit einer neuen Software mehr Anforderungen als gedacht abdecken kann.

Die cridon Software-Studie erleichtert den Vergleich, indem sie typische Anforderungen beschreibt, mit denen sich eine Ausschreibung schneller durchführen lässt, und weil sie alle relevanten Lieferanten beschreibt: Moderne Apps, international tätige Anbieter und traditionelle, deutsche Lieferanten.

Spezifische Software-Anforderungen: Der Ideenmanagement-Prozess

Viele Unternehmen unterscheiden Ideenmanagement-Prozesse abhängig von der Verantwortung für die Prüfung und Umsetzung von Ideen oder Verbesserungsvorschlägen – das Vorgesetztenmodell beispielsweise stärkt dezentrale Einheiten in der Linie, während zentrale Modelle eher gesonderte Abteilungen in die Pflicht nehmen.

Grundsätzlich unterscheiden wir vier Prozessschritte des Ideenmanagements:

Ideenmanagement Prozess
Ideenmanagement Prozess

Ideen finden

Am Anfang steht die Idee, die oftmals einer spontanen Eingebung entspringt. Diese Idee, oder den Verbesserungsvorschlag, muss man zunächst finden – und das ist schwierig genug. Kreativitätssoftware könnte dabei helfen.

Ideen aufschreiben

Notizen in einem Notizbuch oder in einer entsprechenden App eines Smartphones vermeiden, dass man  Ideen vergisst.

Idee oder Verbesserungsvorschlag
Idee oder Verbesserungsvorschlag

Verschiedene Ideen-Formulare können diesen Prozess unterstützen, denn die Felder eines Formulars lenken Gedanken. Dies kann genutzt werden, um sicher zu stellen, dass alle wichtigen Angaben für den eigenen Ideenmanagement-Prozess gemacht werden. Oder man kann mit ihnen Ideen hinterfragen, indem man das Ideenmanagement-Formular an Methoden wir Design Thinking, dem Business Modell Canvas oder dem Lean Canvas orientiert.

Der Ideenwettbewerb

Die Ideenkampagne, der Ideen-Wettbewerb oder die Ideen-Börse: Ideen, die einer bestimmten Richtung folgen sollen, erzeugt man am besten, indem man Menschen über einen bestimmten Zeitraum mit einer klaren Botschaft anspricht. Damit erhalten Menschen Zeit, selbst kreativ zu werden.

Ideenwettbewerb
Ideenwettbewerb

Ein abgegrenzter Zeitraum und eine klare Botschaft helfen, Menschen zu fokussieren und die Ergebnisse der Aktion zu verbessern.

Die Dublettenprüfung

Niemand will den selben Vorschlag mehrfach lesen. Außerdem entstehen so Streitigkeiten, wessen Idee zuerst da war. Es hilft, wenn man sich Dubletten anzeigen lassen kann.

Dublettenprüfung
Dublettenprüfung

Dann erkennt man direkt, welche Ideen oder welcher Verbesserungsvorschlag der eigenen ähnlich ist und kann darauf reagieren – andere Ideen zu unterstützen oder Mitstreiter zu werben steigert die Chance auf Erfolg.

Ideen entwickeln

Die erste Idee ist selten perfekt. Vielmehr wird sie nach und nach verbessert.

Ideensynthese

Menschen haben Ideen auf Basis ihres Wissens. Wenn Sie sich unterhalten, dann erweitern sie Ihr Wissen – sie lernen über die Ideen anderer und können darauf aufbauen. Unser Wissen ist heute um ein Vielfaches größer als früher, und weil die Menschheit bereits so viele Ideen hatte, ist es nur folgerichtig, dass neue Ideen oft aus alten Ideen resultieren. Egal wie man es nennt: Ideensynthese, The fourth Quadrant, oder Cross-Innovation – eine gute Idee hat oft mehrere Vorläufer.

Kollaboration

Offenheit für mehr Menschen oder Partner bedeutet mehr Input für die richtige Idee. Kreativität braucht Kollaboration. Menschen können sich Anregungen anderer Menschen holen oder deren Ideen bewerten oder kommentieren. Durch Gamification kann dies verstärkt werden, so dass Teilnehmer eine Ideenmanagement-Software gerne verwenden, Ideen bewerten und kommentieren! So können sich Diskussionen entwickeln, Ideen zusammengefasst oder zurückgezogen werden: Natürliche Selektion statt mühsamer Bewertung!

Der vertrauensvolle Umgang miteinander erhöht die Bereitschaft mitzumachen. Aber auch die anonyme Teilnahme kann angebracht sein – sonst würde wenige autoritären Chefs widersprechen.

Unterschiedliche Kanäle nutzen

Kontinuierliche Verbesserung ist ein anderer Ansatz als Innovationsmanagement. Viele Ideenmanager und Innovationsmanager halten diese Ansätze für nicht kombinierbar. Ideenmanager hören ungerne von großen Plänen und dem Wunsch der grundsätzlichen Erneuerung. Innovationsmanager oder Produktmanager, die sich gerne des Hilfsmittels der Ideenkampagne bedienen, empfinden Verbesserungsvorschläge als hinderlich.

ideenportal
ideenportal

Beide Parteien vergessen dabei, dass der Mensch Adressat ihrer Bemühungen ist. Menschen haben Ideen unabhängig von Unternehmensprozessen. Deshalb können beide Abläufe nebeneinanderstehen. Sie können sich sogar der gleichen Manager oder Paten bedienen.

Kompatible und gleichwertige Eintrittstore, wie beispielsweise ein Ideenportal, sichern Ideen. Transparenz und klare Migrationspfade sorgen für das Verständnis der Teilnehmer. Und wenn doch einmal eine Idee im falschen Kanal landet, so kann man sie verschieben.

Ideen bewerten und auswählen

Ideen- und Innovationsmanager fühlen sich bei der möglichen Flut von Ideen und Verbesserungsvorschlägen schnell überfordert. Aber Linus Paulings berühmtes Zitat stimmt:

„Der beste Weg eine gute Idee zu haben ist es, viele Ideen zu haben“.

Menschen, die es gewöhnt sind ständig kreativ zu sein, finden leichter neue Ideen, und tun sich auch leichter damit, eine Idee zugunsten einer besseren zu verwerfen.

Ideen objektiviert bewerten

Für den normalen Mitarbeiter ist es allerdings ein Graus, wenn die eigene Idee nicht als gut empfunden wird. Auch deshalb, weil „gut“ ein relativer Begriff ist. Gut ist nicht objektiv.

Die meisten Unternehmen im deutschsprachigen Raum verlassen sich deshalb auf Gutachten von Vorgesetzen oder Experten. Vor allem erfahrenen Personen wird zugetraut zu bewerten, ob ein Vorschlag hilfreich ist.

Allerdings wissen wir heute, dass Experten bei solchen Fragen nur dann treffsicher arbeiten, wenn sie akribisch vorgehen und sich selbst hinterfragen. Dies geschieht zu selten.

Ideen bewerten
Ideen bewerten

Besser ist es, eine Gruppe von Menschen nach vorab definierten Kriterien eine Reihe von Ideen bewerten zu lassen. Hierzu gibt es die unterschiedlichsten Vorlagen. Das wichtigste ist, dass die Bewertung objektiviert wird und nicht vom Wohlwollen einzelner Personen abhängig ist. Dies ist nachgewiesenermaßen ein Grund dafür, dass schlechte Produkte oder Services es dennoch bis ins Regal schaffen. Jeder Entscheider wird unterbewusst die Chance optimieren, sein Ziel zu erreichen. Dafür werden Manager bezahlt. Aber was gut für dein Einzelnen ist, muss nicht gut für ein Unternehmen sein.

Crowdsourcing und Crowdvoting

So wie die Urteilskraft der Experten überschätzt wird, so wird die Fähigkeiten einer Menschenmenge zur sinnvollen Bewertung eines Vorhabens unterschätzt.  Einige hundert Personen urteilen meistens verlässlicher als einzelne Experten – gerade was künftige Entwicklungen angeht.

Wie in Social Media-Tools üblich, können Teilnehmer Ideen mit Daumen-hoch oder Daumen-runter Symbolen oder mit Sternen auf einer Skala bewerten. Die Ideen gewinnen, die am meisten positiven Zuspruch erfahren haben.

Ideen kollaborativ verbessern
Ideen kollaborativ verbessern

Derjenige, der am meisten Menschen für seine Sache begeistern kann hat die größten Chancen. Objektiv ist dies nicht, aber hilfreich im Sinne der Umsetzung. Je mehr Menschen eine Sache unterstützen, desto leichter lässt sich diese erreichen.

Prämienberechnung, Prämienshops

Den Wert einer Idee versuchen viele Ideenmanager möglichst früh zu berechnen, auch um zu verstehen welche Idee umgesetzt werden sollte. Prämien werden oftmals nach folgender Formel berechnet:

Prämie = (Erstjahresnutzen – Umsetzungskosten) * % Prämiensatz

Der Prämiensatz wird je Unternehmen verhandelt. Oftmals gibt eine Mindestprämie, manche Unternehmen zahlen pauschale Prämien, andere vergeben Gutscheine.

Aktuelle Forschung zeigt, dass Erfolg die wirksamste Art Prämie darstellt. Mitarbeiter könnten z.B. für die Umsetzung Ihrer Idee abgestellt werden.

Ideen umsetzen

In traditionellen KVP-Prozessen oder Innovationsprozessen wachen Manager über den Fortschritt einzelner Projekte. Sie agieren ähnlich wie Projektmanager und achten auf die Ziele und das Budget. Aber selten überwachen sie den gesamten Prozess. Ideenmanager helfen am Anfang. Dann übernehmen Projektmanager. Gute Ideenmanagement-Software ermöglicht es, den Fortschritt bei der Umsetzung einer Idee oder eines Verbesserungsvorschlags zu begleiten. Paul Tran, Director of Business Development and Strategic Partnerships von Brightidea sagt, dass es nicht alleine mit dem Finden von Ideen getan sei und erhebt den Erfolg bei der Umsetzung von Ideen zum wesentlichen Ziel.

Es gibt immer mehr Hilfen, Ideen bis zu Ihrer Umsetzung zu begleiten. So helfen anschauliche Darstellungen des Ideentrichters dabei festzustellen, wie viele der gesammelten Ideen sich in welchem Stadium befinden und welche tatsächlich umgesetzt wurden.

Idee mit Trichter auswählen
Idee mit Trichter auswählen

Individuelle Dash-Boards helfen jedem Kollegen zu verstehen, in welchem Status sich eigene Ideen befinden und was er bearbeiten sollte.

Einige der innovativsten Unternehmen haben keine Abteilungen für Projektmanagement, Ideenmanagement oder Innovationsmanagement mehr. Der Leiter eines Projekts ist gleichzeitig Manager. Emotional engagierte Paten helfen bei der Präzisierung und Umsetzung von Projekten und sind offen für neue Ideen.

Übergeordnete Software-Anforderungen

Die Digitalisierung

Die Digitalisierung, Industrie 4.0 oder Arbeit 4.0 umfassen immer mehr Branchen und Unternehmen. Moderne Software stellt sich darauf ein, dass mehr und mehr Unternehmen Produkte, Prozesse und Kommunikation digitalisieren.

Es sollte deshalb möglich sein, sicher aber ohne Beschränkung mit internen aber auch mit externen Geräten auf die Software zuzugreifen, damit Mitarbeiter ggf. auch eigene Geräte (BYOD, Bring your own Device) verwenden können, ohne die IT-Sicherheit zu gefährden.

Gerade für Industrieunternehmen mit beschränkter IT-Infrastruktur sollte das Ideenmanagement-System Ersatz für z.B. das Intranet sein können.

Best-Practice Ideenmanagement-Prozesse

Unsere obige Unterscheidung des Ideenmanagement-Prozesses in die vier Prozessschritte Ideen finden, Ideen entwickeln, Ideen bewerten und auswählen sowie Ideen umsetzen ist nur möglich, weil wir die generelle Anforderungen an Software stellen, alle praktizierten Prozesse zu unterstützen.

Für bestehende Abläufe wie KVP oder Kaizen, oder neue Abläufe, zur Innovation oder als Kanban-System, sollte die Software verschiedenen Best-Practice Abläufe zur Auswahl bieten. Flexibilität anstatt der Starrheit bisheriger Qualitätszirkel.

Verschiedenste Formulare für Ideen, Gutachten, Protokolle oder Empfehlungen sollten angewendet werden können und auf den verwendeten Ideenmanagement-Prozess, zentral, dezentral, oder gemischt (Vorgesetztenmodell), ausgerichtet werden können.

Wenn man viele Ideen erwartet und dennoch den Überblick behalten möchte, dann lohnt es sich Status, Tags und Kategorien zu verwenden, um Ideen oder Vorschläge zu kennzeichnen. Diese sollten flexibel gestaltet, und manuell oder automatisch zugewiesen werden können.

Sozial-Media

Social-Media für Unternehmen ist das Thema der Stunde. Die Vernetzung mit Freunden, Kollegen, Partnern und Lieferanten bringt große Vorteile: Ideen und Beiträge jederzeit an jedem Ort aufgeben zu können unterstützt die Ideenfindung. Schnelle Mitteilungen sparen aufwendige e-Mails. Mit einem Smartphone kann man seine Ideen schnell diktieren oder ein Video drehen.

Social Media-Tools sind dabei, herkömmliche Projektmanagement-Software zu ersetzten, denn sie helfen bei der Umsetzung, nicht nur bei der Projektplanung.

Nahtlose Integration

Ideenmanagement-Systeme sollen das Rad nicht neu erfinden, sondern mit bestehenden Systemen integrieren. So sorgen sie für die Einheit des Intranets, interner und externer Geschäftsprozesse. Dazu gehört, in Bezug auf die Architektur flexibel zu sein, und die Software zum Kauf oder zur Miete (SaaS) anzubieten.

Besonders wichtig ist, dass Daten zu Mitarbeitern nur einmal erhoben werden. Namen, E-Mail, Benutzerberechtigungen sollten möglichst über LDAP-Anwendungen ausgetauscht werden können. Das Single-Login mit bestehenden Programmen muss die Einführung unterstützen.

Vor allem die Anbindung an SAP-Module aller Art ist wichtig: Die Finanzbuchhaltung liefert Budgets und muss Informationen über die Kosten von Projekten erhalten, das Projekt-Portfoliomanagement muss über Ideen, die zu Projekten werden informiert werden, und vieles mehr!

Motivation der Mitarbeiter steigern

Interne Software wird im Regelfall selten genutzt, es sei denn, man muss. Unter Zwang entwickelt aber niemand tolle Ideen oder Vorschläge. Mitarbeiter müssen bei der Stange gehalten werden: Die beste Motivation ist Erfolg. Eigene Ideen, die anderen gefallen, eigene Kommentare, die beachtet und diskutiert werden und vor allem, bei der Umsetzung von etwas Neuem mitwirken zu können, motivieren.

Punktesysteme sollten Teilnehmern für jede Aktion in der Software Punkte zuweisen – wie viele Punkte man wofür bekommt muss konfiguriert werden können – und so ermöglichen, Ranglisten aufzustellen, Mitarbeiter des Monats zu küren und Prämien zu vergeben. Gamification sollte den Wunsch erzeugen, die Software zu nutzen. Beispielsweise können Newsletter mit interessanten Ideen oder Verbesserungsvorschlägen an ausgewählte Adressaten versendet werden.

Offenheit und Transparenz

Klassische Ideenmanagement-Software ist auf Vertraulichkeit ausgerichtet: Niemand außer den notwendigen Personen soll mitbekommen, dass eine Person einen Vorschlag unterbreitet hat, Kosten zu sparen. Keiner soll erfahren, welche Prämie Kollegen bekommen haben.

Moderne Software muss aber auch Offenheit und Transparenz unterstützen können, um Kollaboration, Dynamik und Engagement zu fördern. Mitstreiter sollen erfahren, was aus Ihren Ideen wird, welches Urteil eine Jury gefällt hat, oder was Kollegen denken. Untergebene sollen Zugriff auf messbare Key Performance Indikatoren (KPI) für das Management bekommen können.

Benutzerfreundlichkeit

Benutzerfreundlichkeit, Usability, individualisiertes Aussehen und Abläufe sind heute ein Muss. Verschiedene Sprachen sollten nicht nur Menüpunkte unterstützen, sondern auch Inhalte umfassen. Eigene Dashboards zeigen jedem Teilnehmenden wo man steht, welche Aufgaben warten, und was erledigt ist. All dies muss leicht angepasst werden können. Moderne Systeme wachsen mit den Anforderungen der Nutzer.

Persönliches Dashboard
Persönliches Dashboard

Natürlich sind nicht alle Anforderungen für jeden Kunden gleichermaßen wichtig. Häufig sollen modische Einflüsse zunächst vermieden werden. Nach und nach werden dann neue Funktionen übernommen.

Flexibilität und Agilität

Die meisten Firmen, mit denen wir sprechen gehen den klassischen Weg und definieren zunächst intern, welche Funktionen der Software Ihnen wichtig sind. Dabei übersehen sie jedoch, dass sich die Software in rasantem Tempo entwickelt. Es ist schwer, die eigenen Anforderungen an moderne Software zu stellen, wenn man nicht genau weiß, was möglich ist.

Deshalb muss Software zum einen flexibel konfigurierbar sein. Zum anderen müssen dann, wenn verfügbare Einstellungen nicht ausreichen, agile Entwicklungsmethoden zum Einsatz kommen, die schnelle und kontinuierliche Tests neuer Funktionen ermöglichen.

Lieferanten und deren Projektmanagement

Die Lieferanten einer Software und deren Herangehensweise an Projekte spielen eine große Rolle für den Projekterfolg. Der Lieferant muss finanziell gesund sein, und ähnliche Projekte mehrfach durchgeführt haben. Er benötigt Personal, das der deutschen Sprache mächtig ist, und er muss gut bei der Einführung und im Betrieb der Software unterstützen.

Sinnvollerweise setzt er selbst ein Projekt zur Anpassung und Einführung der Software auf, und definiert Berichtswege und Checkpunkte. Ein klarer Vertrag muss vorliegen, und in diesem sollten der Umfang des Projekts, der Projektplan, klare Anforderungen und Abnahmebedingungen sowie Bestellpflichten geregelt sein.

 

5 Gedanken zu „Ideenmanagement-Software: Definition, Anforderungen und Vergleich

  1. „Kennt man die Funktionen der Gewinner der Studie, so wirkt so manche Funktionsbeschreibung altbacken.“ – Die Gewinner erfährt man wahrscheinlich erst in der Studie selbst? Bei der Auflistung der verschiedenen Anbieter konnte ich diese leider nicht vorfinden. Beziehen Sie innerhalb der Studie auch Position hinsichtlich zu dem Ihrer Meinung nach besten Software (subjektive Einschätzung) oder findet die Positionierung der Software anhand objektiver Fakten statt?

    1. Hallo Sebastian,

      genau – in der Studie werden 19 Firmen den vier Profilen zugeordnet. Wir können Ihnen die Studie gerne senden.

      Wir beziehen nach objektivierten Kriterien Stellung zu der Software. Die Unterschiede sind aber groß; die getroffenen Aussagen sind fundiert.

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